Freitag, 18.11.2005
Weizenbaum
Im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften hielt der Eliza-Erfinder und Computerkritiker Joseph Weizenbaum einen Vortrag – das ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Für seine über 80 Jahre ist Prof. Weizenbaum sehr vital und hat auch noch eine Menge Haare, die er im Pferdeschwanz zusammengebunden trägt. Er erzählte auf charmant-schnodderige Art und Weise über Computer, die ganze Wohnzimmer ausfüllten, ihre Weiterentwicklung die maßgeblich durch den Kalten Krieg vorangetrieben wurde, über schon damals kursierende Furcht vor Arbeitslosigkeit und “Sektretärinnen”, die die auf Papier einzureichenden Programme in Lochkarten übersetzten.
Zwischen diese teils mehr, teils weniger nostalgischen Geschichten mischten sich dann einiges an handfesten Thesen, zum Beispiel:
- Vom Einfluss der Gesellschaft auf die Entwicklung des Computers zum Einfluss des Computers auf die Entwicklung der Gesellschaft
- Es herrscht weitreichender Technologieoptimismus, mit der Wissenschaft als Religion von heute (“Unter Ihnen können doch die wenigsten ein stichhaltiges Argument aufführen, warum die Erde um die Sonne kreist und nicht umgekehrt”)
- Der Wandel vom “I want more” der Nachkriegszeit zum “I don’t want to lose what I have” des Jetzt
- Die durch die immens beschleunigte Kommunikation beförderte Globalisierung führt zu einer Homogenisierung und Quantisierung der Welt (“in den Nachrichten ist alles gleich (un)wichtig, es gibt kein Maß mehr”)
- Wenn man im vorderen Teil einer Exponentialkurve lebt (z. B. die der Umweltverschmutzung), wirkt es linear – aber schon kurz hinterm Horizont steigt es steil nach oben.
- “From [human] judgment to [automatic] calculation” oder der Verlust des Menschlichen
Auch wenn einiges eher banal und anderes doch ziemlich düster-apokalyptisch war, ich hatte stark den Eindruck, dass es hier um mehr geht als das Gebrabbel eines alten Mannes.
Die abschließende Fragerunde eröffnete Weizenbaum dann mit der folgenden Anekdote: “Meine achtjährige Tochter sagte einmal, ‘Daddy, wie spät ist es? Und ich will nicht wissen wie eine Uhr funktioniert!’”
Antworten (1)
- Theuni:
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