Computerlogbuch

Donnerstag, 28.10.2004

Kannitverstan

Heute beim Mittagessen mit Pia haben wir ein Experiment durchgeführt: Sie hat finnisch gesprochen, und ich – mangels Fähigkeiten – englisch. Und, du liebe Güte: schon das blosse Zuhören ist echt harte Arbeit für mich, weil ich noch viel zu viel über die Sprache nachdenken und irgendwelche Regeln abarbeiten muss. Aber es ging besser, als ich erwartet habe, und ich habe meistens die groben Züge verstanden. Und das finde ich schon ziemlich gut. Außerdem hat es Spass gemacht, auch wenn es anstrengend war.

Irgendwie kamen wir dann auch auf die verschiedenen Höflichkeitsformen zu sprechen. Im Finnischen gibt es wie im Deutschen eine informale und formale Anrede (Du/Sie). Aber das Du ist hier, wie wohl auch in den übrigen skandinavischen Ländern, wesentlich gebräuchlicher – so sind beispielsweise die Studenten mit den Professoren grundsätzlich per Vorname und Du. Das ist ein richtiger kultureller Unterschied, dessen Bedeutung zwar nicht riesengroß ist, aber doch zu unangenehmen Überraschungen führen kann. Die Engländer haben es da leichter: dort gibt es nur das Du.

Das Ganze hat mir auch deutlich gemacht, wie es David gehen muss – sein Englisch ist leider ziemlich schlecht, aber ich und die meisten Kommilitonen denken kaum noch drüber nach, dass wir gerade Englisch reden1, und das daraus resultierende Tempo dürfte ihm das Verständnis nicht gerade erleichtern.

1 weil ich jetzt beim Finnischen merke, wie viel Gehirnanstrengung eigentlich mit Sprache verbunden ist, erstaunt es mich umso mehr, wie leicht mir eigentlich das Englische fällt. Es ist zwar immer noch eine gewisse Barierre, aber die ist verschwindend gering – ich habe sogar schon auf englisch geträumt…

# 28.10.2004 12:45 · Finnland
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